Freitag, 30. Januar 2009

Montag, 26.01.09 - Château Vincennes

heute leider wieder bewölkt, aber perfektes wetter um sich mal ein schloss (dass eigentlich eine burg ist) anzuschauen. ich hab schon immermal in den metro stationen vom "château vincennes" gelesen, und heute wollte ich mal rausfinden, was es denn so damit auf sich hat. alte burgen und schlösser finde ich ja schon von jeher klasse, aber in letzter zeit reizen mich solche alten gemäuer ganz besonders.

nanu, wer hat denn da seine schuhe verloren? auf jeden fall ein sehr ungleiches paar ;-)

mit der metro ging es erstmal zur haltestelle "château vincennes"

was gibt es eigentlich über dieses "schloss" zu berichten? wikipedia weiß (wieder mal) mehr:

Das Schloss Vincennes in der am südöstlichen Rand von Paris gelegenen Stadt Vincennes ist neben dem Louvre eines der bedeutendsten Schlösser in der Geschichte Frankreichs. Sein Wohnturm (Donjon) gilt mit 50 Meter Höhe als das höchste befestigte Gebäude Europas aus dem Mittelalter.


hier mal ein übersichtsplan über die anlage. unser freund und helfer (nicht die polizei, sondern wikipedia ;-P) weiß hierzu folgendes:

Der eigentliche Schlossbezirk ist eine rechteckige Anlage, die von einer 1.200 Meter langen Mauer mit neun ursprünglich etwa 40 Meter hohen Türmen und einem 27 Meter breiten Wassergraben umgeben ist. An der westlichen Längsseite wird die Mauer von dem wehrhaften Wohnturm unterbrochen. Er hat einen quadratischen Grundriss von 16,20 Meter und ist sechs Stockwerke hoch. Die Dicke seiner Mauern beträgt etwa 3,30 Meter. Die eigentlichen Schlossgebäude sind der sogenannten Pavillon des Königs und der Pavillon der Königin, die sich im südlichen Hof gegenüberstehen und deren Außenseiten mit der Umfassungsmauer bündig sind. In der Mitte der Anlage steht die Sainte-Chapelle genannte Schlosskapelle, die zwischen 1380 und 1552 errichtet wurde und große Ähnlichkeit mit dem gleichnamigen Kirchenbau auf der Île de la Cité von Paris aufweist.


"erwischt!" :-) cooles foto, wie ich meine. ^^

und hier sind wir auch schon beim "bergfried", das ist dieses von mauern und einem 14 meter tiefem burggraben umgebene châtelet. ein châtelet ist ein eingangstor mit 2 türmen.
ich hatte für nur 5 euro eine führung gebucht, und da wir nur insgesamt 6 personen waren, konnte die "führerin" auch alles super erklären und auf etwaige fragen eingehen.

hier mal eine zeichnung des bergfried aus der broschüre. was ist was?
  • 3) châtelet
  • 4) terasse
  • 5) campanile = glockenturm mit einer oder zwei glocken
  • 6) arbeitszimmer
  • 7) wehrgang = wurde vom könig benutzt, um vom arbeitszimmer zu seinem gemach zu gelangen
  • 8) brücke
  • 9) salle du conseil = ratssaal
  • 10) schlafgemach
  • 11) oratoriuim
  • 12) schatzkammer
  • 13) erdgeschoss

der eingang zum bergfried. hier war früher eine zugbrücke

der graben war früher sogar noch 1-2 meter tiefer als hier auf dem bild, und mit allerlei unrat und jauche sowie allen abwässern und abfällen aus dem schloss gefüllt. lecker.
die moosbewachsene wand war deßhalb so dick, damit sich niemand zum schloss "durchgraben" konnte.

das große eingangstor zum innenhof

cool, wa? :-)

innerhalb des bergried's gab es in ca. 8 meter höhe nochmal eine brücke, die zu den königsgemächern führte

das waren noch türen, oder? diese türe hier ist ein historisch wertvolles stück, welches man wahrscheinlich in naher zukunft in ein museum verfrachten wird.

die gewölbe waren zwar eindrucksvoll, aber leider alle leer. sämtliche wandmalereien waren nur noch teilweise zu erahnen, und die holzvertäfelungen fehlten komplett.

blick auf die verbindungsbrücke, die im mittelalter den einzigen zugang zum bergfried darstellte

die Sainte-Chapelle genannte Schlosskapelle, die zwischen 1380 und 1552 errichtet wurde und große Ähnlichkeit mit dem gleichnamigen Kirchenbau auf der Île de la Cité von Paris aufweist. die kirche war leider geschlossen, da sie momentan renoviert wird. im mai 2009 eröffnet sie dann neu.

video
rundumblick über das gelände im rückwärtigen teil der anlage.



hier noch einiges zur geschichte:

Der Wald von Vincennes war ein beliebtes Jagdgebiet Ludwigs VII. Gegen 1150 errichtete er mitten im Wald einen Jagdpavillon. Im 13. Jahrhundert ließen Ludwig IX. (der Heilige) und Philipp II. August einen königlichen Herrschaftssitz errichten, das Château du Bois-de-Vincennes, das im 18. Jahrhundert zerstört wurde. In diesem Waldschlösschen starben Philipp III. (1316) und sein Enkel Karl IV. (1328), der letzte Kapetinger-König.

Karls Nachfolger Philippe VI., der erste Valois, plante ab 1337 die Errichtung eines Donjons im westlichen Teil des Anwesens, dessen Bau während des Hundertjährigen Krieges unter Johann II. dem Guten und seinem ältesten Sohn, Karl V. vorangetrieben wurde und erst 1373 vollendet war. In unsicheren Zeiten diente diese massive, befestigte Anlage dem König als Residenz.

Im 17. Jahrhundert fügte Louis Le Vau, Architekt des Sonnenkönigs, Ludwig XIV., zwei Flügel hinzu, den Pavillon des Königs und den Pavillon der Königin. Das Schloss wurde so zum dritten königlichen Wohnsitz. Als Vincennes vom königlichen Hof aufgegeben wurde, diente es als Staatsgefängnis, in dem unter anderem der Marquis de Sade, der Graf Mirabeau und Diderot gefangen gesetzt wurden.

Im Jahr 1739 wurde eine Porzellanmanufaktur im Schloss gegründet, die 1756 nach Sèvres übersiedelte. Unter diesem Namen sind die neben dem Meißner kostbarsten Porzellane des 18. Jahrhunderts auch heute noch bekannt.

1804 wurde Louis Antoine Henri de Condé, Herzog von Enghien, auf Befehl Napoléon Bonapartes, wegen angeblicher Verschwörung im Wassergraben des Schlosses durch ein Erschießungskommando hingerichtet, nachdem er zuvor als Sympathisant der Bourbonen aus seinem damaligen Wohnsitz, dem badischen Ettenheim, entführt worden war. Am 15. Oktober 1917 wurde auch Mata Hari als angebliche deutsche Spionin standrechtlich im Festungsgraben erschossen.

Der Park wurde im 19. Jahrhundert im Stil englischer Landschaftsgärten gestaltet. Napoleon III. übergab ihn mit einer Ausdehnung von fast 10 Quadratkilometern 1860 als öffentliche Einrichtung an Paris.

1940 diente das Schloss dem französischen Generalstab bei der erfolglosen Verteidigung des Landes gegen die deutsche Invasion als Hauptquartier. Anschließend war es von deutschen Truppen besetzt, die es am 20. August 1944 wieder räumen mussten, nicht ohne einige Schäden zu hinterlassen.

Heute sind im Schloss verschiedene Dienststellen des Verteidigungsministeriums (Militärarchiv und Militärgeschichtliche Forschung) sowie des Ministeriums für Kultur und Kommunikation (Zentrum für nationale Denkmäler) untergebracht.

insgesamt wirklich sehr interessant. nach der zweistündigen führung war ich dann total durchgefrohren (man kann sich ja gar nicht vorstellen, wie kalt es in diesen gemäuern ist) und froh, als ich dann wieder zu hause im warmen war. :-)

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